Religion

Auferstehung

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Marie Luise Kaschnitz

 

Die österliche Botschaft  der Auferstehung wird in diesem Gedicht als Vorgeschmack des Endgültigen in unser Hier und Jetzt eingebettet. Hier und Jetzt haben wir alle zur Zeit Hoffnung nötiger denn je. Im Gedicht bleibt alles so wie sie ist, wir, unsere Umgebung, die Zeit und dahinein ereignet sich plötzlich etwas, das die Auferstehung in unserem Bewusstsein vorwegnimmt.

Seit über einem Jahr hoffen wir „mit Haut und Haar“ gesund zu bleiben und wünschen das für alle, die uns lieb sind und uns nahestehen und überhaupt für alle Menschen. Dieses Gedicht kann uns eine innerweltliche Hoffnung, aber auch grundsätzlich eine spirituelle Zuversicht vermitteln. Das „Haus aus Licht“ – es möge uns allen offenstehen.

Dass es das tut, ist im Kern die christliche Osterbotschaft.

Wir wünschen Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest!

Die Religionsfachschaften des Josef-Effner-Gymnasiums

 

Quelle:
Text: Marie Luise Kaschnitz: Auferstehung, in: Karl-Josef Kuschel: Der andere Jesus, München 1987, S.330.


Zuletzt überarbeitet am 25.03.2021